Mitskis „First Love / Late Spring“ ist eine ergreifende Auseinandersetzung mit emotionaler Verletzlichkeit und der Komplexität von Liebe und Unabhängigkeit. Der Liedtext vermittelt ein tiefes Gefühl der Sehnsucht und des Widerspruchs, während der Künstler mit dem Wunsch nach Intimität und der Angst vor deren Folgen zu kämpfen hat. Mitskis Musik befasst sich oft mit Themen wie Identität, Emotionen und menschlicher Erfahrung, und dieses Lied stellt da keine Ausnahme dar und zeigt ihre Fähigkeit, die Nuancen des Gefühls von Verlorenheit und Überforderung zu artikulieren.
Die ersten Zeilen des Liedes geben einen melancholischen Ton an, wobei das „schwarze Loch des Fensters“ eine Leere oder Abwesenheit suggeriert und die „Nachtbrise“, die „etwas Süßes, einen Pfirsichbaum“ trägt, ein Gefühl von Sehnsucht und unerreichbarem Verlangen hervorruft. Besonders auffällig ist der Satz „Wilde Frauen bekommen keinen Blues“, da er die Vorstellung einer freigeistigen, ungezähmten Frau mit der Verletzlichkeit einer Person vergleicht, die „wie ein großes Kind weint“. Dieses Oxymoron erfasst den inneren Konflikt zwischen dem Wunsch, stark zu wirken, und dem natürlichen menschlichen Bedürfnis, Trauer auszudrücken.
Der Refrain des Liedes ist ein Plädoyer für Distanz, wobei Mitski darum bittet, in Ruhe gelassen zu werden, weil sie sich von der Intensität ihrer Gefühle erstickt fühlt („Ich kann nicht atmen“). Der japanische Ausdruck „mune ga hachikire-sōde“ bedeutet übersetzt „mein Herz fühlt sich an, als würde es platzen“ und betont die körperlichen Auswirkungen ihres emotionalen Zustands. Die Vorstellung, auf einem Felsvorsprung zu stehen, lässt darauf schließen, dass man kurz davor steht, eine lebensverändernde Entscheidung zu treffen, die von den Worten eines geliebten Menschen getrieben wird. Die wiederholte Aufforderung „Sag es mir nicht, damit ich wieder hineinkriechen kann“ offenbart eine tiefsitzende Angst vor Verletzlichkeit und den Wunsch, sich an einen sicheren Ort zurückzuziehen, auch wenn das bedeutet, das Potenzial für Liebe und Verbindung zu opfern.