„TUNNEL VISION“ von Melanie Martinez befasst sich mit den Themen Objektivierung, Selbstwertgefühl und den Fallstricken zwanghafter Begierde. Der Text des Liedes zeichnet das Bild von jemandem, der nicht wegen seiner Person verfolgt wird, sondern wegen des körperlichen Vergnügens, das er bereiten kann. Die Metapher des „Tunnelblicks“ suggeriert einen engstirnigen Fokus, bei dem der Verfolger nur das sieht, was er sehen möchte, und die Persönlichkeit desjenigen, den er begehrt, außer Acht lässt.
Die ersten Zeilen des Liedes laden den Hörer in einen metaphorischen Tunnel ein, der zu einem Portal führt, wo Lasten zur Ruhe gelegt werden. Dies könnte den Weg symbolisieren, den man unternehmen muss, um gesellschaftliche Erwartungen und Zwänge loszuwerden. Martinez verwendet religiöse Bilder wie „Heiliges Wasser des Todes“, um den Ernst der Lage und die transformative Erfahrung der Überwindung der Objektivierung hervorzuheben. Die Erwähnung von „Geißblatt und Frischfleisch“ verdeutlicht zusätzlich die Reduzierung einer Person auf etwas, das es zu essen gilt, während die wiederholte Behauptung „Ich bin mehr als das“ eine kraftvolle Erklärung des Selbstwertgefühls und der Komplexität darstellt, die über physische Eigenschaften hinausgeht.
Martinez‘ Stil beinhaltet oft dunkle, satirische Elemente und „TUNNEL VISION“ bildet da keine Ausnahme. Das Lied kritisiert die Art und Weise, wie manche Menschen Beziehungen aufbauen, die auf oberflächlichen Wünschen basieren und dabei Manipulation und Vortäuschung einsetzen. Die Texte „Playin' House to Distract Me“ und „You're No Good at Actin“ deuten darauf hin, dass diese Täuschungsversuche transparent und letztlich vergeblich sind. Das Lied endet mit einer Note verlorenen Potenzials, mit der Zeile „Could've been more, now we'll never know“, in der die Tiefe der Verbindung beklagt wird, die hätte erreicht werden können, wenn der Verfolger über seine engen Wünsche hinausgeschaut hätte.